Wenn es um E-Bike-Antriebe geht, reden die meisten über Bosch. Yamaha baut seit Jahren mit, nur leiser. Im Juni 2026 hat der Hersteller eine komplett neue Antriebsplattform in Serie gebracht und dabei die Spannung erhöht – im wörtlichen Sinn.
Von 36 auf 48 Volt
Die neue Plattform heißt PW-LINK und arbeitet mit 48 Volt. Bei Yamaha waren es bisher 36 Volt. Die Meldung dazu stammt vom 18. Juni 2026.
Eine höhere Spannung heißt vereinfacht gesagt: Für dieselbe Leistung fließt weniger Strom, und weniger Strom bedeutet weniger Verluste und weniger Abwärme. Yamaha beziffert den Gewinn mit rund zehn Prozent mehr Leistung und zehn Newtonmetern mehr Drehmoment. Newtonmeter ist das Maß für das Drehmoment, also dafür, wie kräftig der Motor an der Kurbel zieht. Das ist die Zahl, die Du am Berg spürst.
Zwei Motoren für zwei Einsatzzwecke
PW-LINK ist modular aufgebaut, zwei Motoren sind bisher benannt.
- PW-X4, ausgelegt aufs E-Mountainbike: 100 Newtonmeter Spitzendrehmoment, 800 Watt Spitzenleistung, 2,6 Kilogramm.
- PW-S3, der Allrounder für Trekking und Alltag: 85 Newtonmeter, 750 Watt, 2,8 Kilogramm.
Die 2,6 Kilogramm sind dabei fast die interessantere Zahl als die 100 Newtonmeter. Ein Mittelmotor sitzt tief im Rahmen, sein Gewicht liegt also günstig. Es bleibt trotzdem Gewicht, das Du beim Anheben, beim Tragen über Stufen und am Autoträger merkst.
Beide Motoren arbeiten mit dem, was Yamaha Zero Cadence Technology nennt. Was genau dahintersteckt, erklärt Yamaha bisher nicht.
Warum 800 Watt und 250 Watt kein Widerspruch sind
Diese beiden Zahlen sorgen regelmäßig für Verwirrung. Beide Motoren liefern 250 Watt Dauerleistung. Das ist der Wert, der in Europa vorgeschrieben ist, damit ein Pedelec rechtlich ein Fahrrad bleibt.
Die 800 Watt sind die Spitzenleistung, also das, was der Motor kurzzeitig abrufen kann. Beim Anfahren am Hang oder in einer Steilstufe. Ein Antrieb mit hoher Spitzenleistung fährt deshalb nicht schneller, er ist in solchen Momenten nur williger. Die Unterstützung endet bei allen gleich.
Drehmoment bringt Dich den Berg hinauf, Wattstunden bringen Dich wieder heim.
Akkus, Displays und die App
Zwei Akkugrößen sind genannt: 842 Wattstunden bei 4,35 Kilogramm und 560 Wattstunden bei 3,1 Kilogramm. Dazu sind Aufbauten mit zwei Akkus möglich. Wattstunden sind das Maß für den Energieinhalt, also grob gesagt für die Reichweite, die im Akku steckt. Ein Kilo mehr Akku ist ein Kilo mehr Rad, das gehört zusammengedacht.
Beim Display gibt es zwei Wege: ein kompaktes TFT seitlich am Lenker oder einen 1,9 Zoll großen Bildschirm, der im Rahmen sitzt. Beide beherrschen ANT+, den Funkstandard, über den auch Pulsgurte und Fahrradcomputer sprechen.
Seit 29. Juni gibt es dazu die App Yamaha Motor On. Über sie stellst Du die Unterstützungsstufen ein, behältst bei zwei Akkus beide im Blick, siehst Deine Fahrdaten und spielst Updates über Funk ein. Wo das so läuft, sparst Du Dir den Weg. Bei Antrieben, die das nicht können, macht das die Werkstatt – bei uns kostet ein Softwareupdate 29 € zusätzlich zum Service.
Was das für Dein nächstes E-Bike heißt
Kurzfristig wenig, mittelfristig einiges. Die ersten Serienräder mit PW-LINK sind für das Modelljahr 2027 angekündigt: Raymon Ravor LT, Ravor Pro und Ravor Comp. Diese Marke führen wir nicht.
Für unser Sortiment ist ein anderer Punkt spannender. Giant und Liv setzen bei ihren SyncDrive-Antrieben auf Yamaha-Technik, und beide Marken führen wir. Ob und wann die neue 48-Volt-Plattform dort ankommt, hat Yamaha allerdings nicht gesagt. Wir tragen das nach, sobald es feststeht.
Mittelfristig interessant ist es, weil ein Wechsel der Systemspannung selten allein bleibt. Geht ein Hersteller auf 48 Volt, zieht das Akkus, Ladegeräte und Diagnosegeräte mit. Für Dich heißt das vor allem eines: Schau beim Kauf nicht nur auf die Newtonmeter, sondern auch darauf, wer den Antrieb wartet und wie lange es dafür Ersatzteile gibt. Ein E-Bike-Service kostet bei uns 39 €, Dein Rad ist in der Regel innerhalb von 24 Stunden fertig, und wenn es einmal länger dauert, bekommst Du ein Leihrad.




