Der Akku ist das teuerste Einzelteil am E-Bike. Trotzdem behandeln ihn die meisten nach Gefühl. Im Internet kursiert die eine richtige Prozentzahl fürs Einlagern – nur nennen Bosch und Shimano unterschiedliche Werte. Beide haben recht, jeder für sein eigenes System.
Warum es die eine richtige Prozentzahl nicht gibt
Beide Hersteller dokumentieren, mit welchem Ladestand ihr Akku ins Lager soll. Die Werte liegen deutlich auseinander. Das ist kein Widerspruch: Jeder Hersteller gibt den Wert für sein System vor. Maßgeblich ist die Vorgabe des Systems, das in Deinem Rad steckt.
Wir haben beide Systeme im Haus und sehen sie in der Werkstatt regelmäßig. Wenn Du nicht weißt, was Du fährst: Die Bezeichnung steht am Motorgehäuse und am Akku selbst. Ein Blick darauf klärt die Frage in zehn Sekunden.
Was Bosch vorgibt
Bosch schreibt, Akkus „bei 5 bis 20 Grad Celsius und bei 50 bis 60 Prozent Ladezustand trocken und lichtgeschützt lagern“. Für den Ladezustand nennt Bosch ausdrücklich 50 bis 60 Prozent als Empfehlung. Das gilt für die Winterpause genauso wie für ein paar Wochen ohne Fahrt.
Beim Laden liegt die ideale Temperatur laut Bosch bei 15 bis 20 Grad. Nach unten gibt es eine harte Grenze: Fällt die Akkutemperatur unter 0 Grad, verhindert das Batterie-Management von Bosch das Aufladen. Ein Akku, der bei Frost im Rad gesteckt hat, gehört also erst ins Warme und dann an die Steckdose.
Was Shimano vorgibt
Shimano nennt in der Gebrauchsanweisung einen anderen Wert. Vor längerem Einlagern soll der verbleibende Ladestand „ca. 70 %“ betragen, und der Akku soll alle sechs Monate nachgeladen werden. Als Lagerort steht dort ein kühler Ort mit etwa 10 bis 20 Grad in einem geschlossenen Raum, geschützt vor direkter Sonne und vor Regen. Zu niedrige oder zu hohe Lagertemperatur reduziert laut Shimano Leistung und Verwendbarkeitsdauer.
Dazu kommen Temperaturfenster für den Betrieb: entladen zwischen minus 10 und plus 50 Grad, laden zwischen 0 und 40 Grad. Der absolute Lagerbereich reicht von minus 20 bis plus 60 Grad. Und wer bei 5 Grad oder darunter lädt, kommt mit einer Ladung weniger weit. Auch das steht so im Handbuch.
Für Deinen Akku gilt die Angabe des Systems, das in Deinem Rad steckt.
Wie lange eine Ladung dauert und wann Du sie abbrechen musst
Shimano-Akkus haben 36 Volt Nennspannung und je nach Modell 11,6, 14 oder 17,5 Amperestunden. Danach richtet sich die Ladezeit ab null Prozent. Mit dem Ladegerät EC-E6002 gibt Shimano an:
- etwa 6 Stunden 30 Minuten für BT-EN404 und BT-EN604 mit 11,6 Ah
- etwa 7 Stunden 30 Minuten für die Modelle mit 14 Ah
- etwa 10 Stunden 12 Minuten für BT-EN606 und BT-EN806 mit 17,5 Ah
Mit dem EC-E8004 an 220 bis 240 Volt sind es etwa 3 Stunden, 4 Stunden und 4 Stunden 48 Minuten.
Wichtiger als die Minuten ist der Satz danach. Shimano schreibt: Ist der Akku auch zwei Stunden nach Verstreichen der angegebenen Ladezeit noch nicht vollständig geladen, gehört er sofort von der Steckdose getrennt – und dann zur Verkaufsstelle. Das ist kein Schönheitsfehler, sondern ein Abbruchkriterium.
Was Du selbst erledigst und wann wir draufschauen
Selbst gemacht ist das eine Sache von Minuten. Ladezustand auf die Vorgabe Deines Systems bringen, Lagerort aussuchen, den Nachladetermin in den Kalender eintragen. Mehr braucht es nicht.
Zum Saubermachen reicht bei Akku und Kunststoffabdeckung ein feuchtes, gut ausgewrungenes Tuch. Verdünner und Lösungsmittel haben am Akku nichts verloren. Verschmutzte Kontakte an Halterung und Ladegerät säuberst Du mit einem Tuch oder Wattestäbchen, das mit Ethanol befeuchtet ist. Einen Punkt betont Shimano eigens: Wer den Akku bei staubigen Kontakten immer wieder ein- und aussteckt, nutzt die Kontakte ab. Also erst putzen, dann stecken.
Der Rest gehört in die Werkstatt. Wir lesen die Kapazität aus, prüfen Ladegerät und Kabel auf Beschädigungen und kontrollieren die Kontakte am Halter. Und wir beurteilen einen Akku, der auffällig früh abschaltet oder sich nicht mehr voll laden lässt. Der E-Bike-Service kostet 39 €, ein Softwareupdate 29 € zusätzlich. Bring Akku und Ladegerät einfach mit.
In der Regel ist Dein Rad innerhalb von 24 Stunden fertig. Dauert es länger, bekommst Du ein Leihrad. Ruf an unter +43 664 243 28 18 oder komm in St. Stefan vorbei.




